Heute ist Freitag der 13. und es ist der Karnevalsfreitag!
Draußen ist der Himmel verhangen. In meinem Elfenbeinturm (home office) lese ich "Die Zeit" – die von letzter Woche 5.2.2026. Und ja, ich bin pessimistisch!¹
Früher hatte "Die Zeit" einen Nimbus, sie stehe für unbedingte journalistische Treue zur Demokratie, Leute wie Helmut Schmidt und Hildegard Hamm-Brücher waren regelmäßig darin zu lesen, und unterstrichen die Notwendigkeit, die Arbeit an der deutschen Demokratie und vor allem den Abstand zu rechten Ideologien streng zu befolgen. Man konnte sicher sein, dass bei Themen für die Umwelt – vom sauren Regen bis FCKW-Verbot – würde den Artikeln der "Die Zeit" eine vernünftige Haltung zu entnehmen sein, ohne rechter Demagogie und unterwürfiger Subversion. Diese "Zeit" ist vermutlich vorbei!
Vielleicht liegt es an mir, dass ich schon einige Zeit keine "Die Zeit" mehr gelesen habe und die "NZZ" – die Schweizer Schwesterzeitschrift – aus meinen Feed-Reader geworfen habe, als diese begann rechte Narrative zu verschönen. Den Rechtsruck bei der "Die Zeit" habe ich damit offenbar verpasst. Umso mehr trifft mich jetzt diese Erkenntnis.
Jetzt lese ich die Zeit und erschrecke. Zwischen Gucci-Prospekten und (redaktioneller) Werbung für sonstige hochpreisige Damenhandtaschen und Herrenuhren finde ich einen hochglanzprospektartigen Artikel über Tino C. mit Hochkantfoto über nahezu eine halbe Seite und kurz weiter den darstellenden Vergleich einer Engelsstatue mit Fotos von Giorgia M., über den man sich im Artikel amüsiert, der eine in der Rubrik Politik, die andere im Feuilleton.
Und dann die 8 Seiten, auf denen Alice Schwarzer erklärt wird, der Generation der Töchter und der Generation der Enkelinnen mit Fragen und Kommentaren von Mutter-Journalistin und deren Tochter, nebenbei Beschönigung des Schwarzer'schen Putinismus.
Weiter geht es schließlich dann mit dem Artikel über die Grünen Politikerin Mayra V., die Robert Habeck im BT beerbt hatte? Sie ist im Text dargestellt, als würde ein Bild aus einem Kinderbuch über Rotkäppchen beschrieben: ... käme direkt aus der Studenten-WG in den Bundestag, würde dort (selbst) vom Personal nicht recht ernst genommen, und ginge gleich ins Plenum, um über den Wolf zu sprechen? Welch ein Bild?
Die Überschrift "Was hat Sie an Robert Habeck immer genervt, Frau Vriesema?" verspricht zwar eine Abrechnung oder zumindest eine Auseinandersetzung mit Habecks Politik, stellt V. aber so dar, als hätte sie tatsächlich etwas genervt und im Kleingedruckten liest man dann, dass dem keineswegs so ist, vielmehr bleibt der Artikel dann dilettantisch in nichts sagenden Beschreibungen einer Cafeteria im Bundestag stecken, wo an Nachbartischen vermeintlich tuschelnd die Köpfe zusammengesteckt würden. Eine Bemerkung über die Arbeits-Accessoires der Politikerin – ein Tablet und ein Aktenhefter – keine Arbeitstasche, nicht einmal ein Rucksack – fehlt dann auch nicht.
Genauso stelle ich mir die Propaganda eines Presseprodukts Ende der 1920er Jahre vor, eine bürgerliche Gutenachtgeschichte über einen rechten Politiker, dann eine heitere Nacherzählung über eines seiner italienischen Pendants und politisch Andersdenkende – nicht aggressiv, aber wirkungsvoll – diskreditiert.
Und ich frage mich jetzt, ob "Die Zeit" noch im Söder-Opportunismus verhangen ist [anlassloses Grünen-Bashing], oder schon mit blau-brauner Tinte schreibt [Verniedlichung rechter Protagonisten]. Oder beides?
¹ Ein Artikel in dieser Ausgabe behandelt den Pessimismus als deutsches Lebensprinzip mit Erklärungen, warum sich "Deutsche" in Untergangsszenarien vermeintlich wohl fühlen.
Auch wenn ich vorher keine solche Bilder im Kopf hatte, mit jedem Artikel dieser Ausgabe von "Die Zeit" wurde mir klarer, der Weg Deutschlands in neue rechtsextreme Finsternis wird mit solchem Journalismus vorangetrieben.
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